Steuerungsgruppe Fairtrade
Oldenburger Str. 258
26203 Wardenburg
Telefon 04407 / 50 94
(Detlef Bollmann)
Gemeinsam mit der Entwicklungshelferin Erika Barra haben wir das Ehepaar Ursula und Adolf Rau in ihrem idyllisch gelegenen Zuhause in Sandkrug besucht. Mit im Gepäck haben wir einen Präsentkorb, liebevoll zusammengestellt im Eine-Welt Laden, denn am Vortag hat Ursula Rau ihren 99. Geburtstag gefeiert. Kennengelernt haben sich Ursula und Adolf Rau in Breslau, während bzw. nach dem Krieg verschlug es die Familie Rau in die Nähe von Heide nach Schleswig-Holstein, wo es dann zu einem Wiedersehen und später zur Heirat mit Ursula kam. Fast 80 Jahre gemeinsame Zeit und drei Kinder verbindet die beiden. In dieser Zeit haben die Rau`s sehr viel erlebt. „Was bleibt ist der Mensch“ so Ursula Rau bei unserem Interview.
Feinstes Gebäck steht auf dem Tisch, der Kaffee ist bereits gekocht – eine tatkräftige, geistig fitte Frau spricht mit uns, zwischendurch klingelt das Telefon und Besuch schaut noch kurz herein. Es ist einiges los bei Familie Rau.
Kennengelernt habe ich beide über die Pressearbeit zu einem Bericht über den Eine-Welt-Laden in Wardenburg vor mehr als 20 Jahren. Ursula und Adolf Rau sind Mitbegründer der Eine-Welt Gruppe, die sich 1989 aus der Aktion „Schuldenturm“ in Wardenburg gegründet hatte. Erster Standort des hieraus entstandenen Eine-Welt Ladens war das „Harmsche Haus“ am Glockenturm – dort, wo jetzt das Café zu finden ist. Dann war der Laden im Bramstedt-Haus (Gartenweg / jetzt BSH) sowie im nicht mehr vorhanden Rathausanbau an der Eelder Straße zu finden, bis der Eine-Welt Laden seine jetzigen, zentral an der Oldenburger Straße 258 im Wardenburger Ortskern gelegenen Geschäftsräume im ehemaligen Juweliergeschäft neben der Volksbank bezogen hat.
Über mehr als 30 Jahre setzte sich Adolf Rau sehr engagiert für die Verbindung zu einer Gehörlosenschule und zu Gruppen ein, die fair gehandelte Produkte erzeugen. Der Erstkontakt entstand, als er 1986 seine Tochter, die als Entwicklungshelferin in einer Augenklinik in Nepal tätig war, zum Weihnachtsfest besuchte. Ursula Rau, die unter Flugangst leidet und deshalb nicht mitreiste, managte die Reisen, daraus resultierenden Kontakte und Arbeiten vom „Home-Office“ aus und kümmerte sich gemeinsam mit anderen UnterstützerInnen um die Unterbringung von Gästen, wenn diese in Deutschland zu Besuch waren. Über die Jahre sind so enge Bekanntschaften entstanden.
Insgesamt 11 mal besuchte Adolf Rau Nepal und er kam nie mit leeren Händen zurück. Gut in Erinnerung wird einigen Mitmachern aus der Eine-Welt Gruppe die Aktion mit den Nepalteppichen bleiben. Adolf Rau war als Teppichspezialist bekannt und hatte einen Transport von handgefertigten Nepalteppichen nach Deutschland organisiert. Am Bremer Flughafen ergab sich kurzfristig dann jedoch das Problem des Transportes – passten die vielen Teppiche doch nicht in die mitgebrachten Autos hinein. Kurzerhand bot sich ein LKW-Fahrer an, die Teppichlieferung zu günstigen Konditionen nach Wardenburg zu bringen, so dass im Eine-Welt Laden noch Jahre später die fair gehandelten Teppiche verkauft werden konnten.Wichtig war den Akteuren dabei, dass die Menschen, die die Waren produzierten, einen fairen Lohn für ihre Arbeit erhielten, um auch die Kinder ernähren und zur Schule schicken zu können.
Adolf Rau hat auf seinen Reisen viel fotografiert und so waren seine Diashows mit Einblicken in das nepalesische Leben gern besuchte Veranstaltungen in Hatten und Wardenburg. Durch die enge Verbindung von Ursula Rau in die Kirchengemeinde konnten regelmäßig auch Basare und Ausstellungen in Sandkrug und auch in Wardenburg organisiert werden. Es herrschte ein reger Handel und guter Kontakt zwischen Nepal und Wardenburg.
Für sein besonderes Engagement wurde Adolf Rau mehrfach ausgezeichnet. Ein Höhepunkt war am 12. Januar 1999 der Besuch bei Bundespräsident Roman Herzog und seiner Frau im Schloss Bellevue zum Neujahrsempfang. Am 19. September 2006 wurde Herrn Adolf Rau die wohl höchste Auszeichnung Deutschlands für ehrenamtlich Tätige, das Verdienstkreuz am Bande verliehen.
Ladendienst können Ursula und Adolf Rau nicht mehr machen. Dafür haben sich aber andere, jüngere Mitmacher gefunden. Der Eine-Welt Laden in Wardenburg ist Mo. – Fr. von 10.00 – 12.30 Uhr und von 15.00 – 18.00 Uhr sowie am Samstag von 10.00 – 12.30 Uhr geöffnet und telefonisch zu den Öffnungszeiten unter 04407–20160 erreichbar.
Am 17. August 2025 traf sich die Eine-Welt-Gruppe Wardenburg zu ihrem traditionellen jährlichen Kaffeetrinken im Gasthaus Dahms in Littel.
Bei wunderschönem Sommerwetter konnten wir die herrliche Gartenanlage genießen. Der großartige Service trug ebenso zum Gelingen bei wie die Freude, nach längerer Zeit wieder in großer Runde zusammenzukommen.
Besonders bewegend war, dass viele derjenigen, die bereits 1988 bei der Gründung der Gruppe dabei waren, auch diesmal wieder anwesend waren. Dieses Zeichen von Kontinuität und langjährigem Engagement erfüllt uns mit großer Dankbarkeit.
Mit ebenso viel Freude wurden unsere neuen Mitglieder willkommen geheißen, die frischen Schwung und neue Ideen in die Gruppe bringen.
Das Treffen zeigte einmal mehr: Die Eine-Welt-Gruppe lebt von Gemeinschaft, Austausch und der gemeinsamen Vision für eine gerechtere Welt.
Am 21. Juni 2025 machten sich die Aktiven des Eine-Welt-Ladens Wardenburg auf den Weg zu einem besonderen Betriebsausflug – Ziel war zunächst das Kloster Loccum mit dem dortigen Weltladen „Klosterstube“ sowie anschließend der Weltladen Undugu in Espelkamp.
Um 8 Uhr traf sich die Reisegruppe am Eine-Welt-Laden in Wardenburg. Mit zwei Fahrzeugen ging es auf der Landstraße in Richtung Hannover. In Loccum angekommen, erwartete uns eine interessante Führung durch die Küsterin des Klosters, die uns mit spannenden Informationen zur Gründung und Geschichte des Klosters Loccum vertraut machte.
Um 11 Uhr wurden wir von Herrn Emmrich, dem Vorsitzenden des Vereins, herzlich im Weltladen Klosterstube empfangen. Die Geschichte des Ladens, seine Entwicklung und aktuellen Aktivitäten beeindruckten uns sehr. Wir bedanken uns herzlich für die Offenheit und das Engagement.
Nach einem kurzen Weiterweg führte uns unsere Tour nach Espelkamp. Dort stärkten wir uns im Brauhaus Espelkamp mit einem gemeinsamen Mittagessen.
Um 15 Uhr begrüßte uns Frau Brigitte Solinski im Foyer der Evangelischen Martins-Kirchengemeinde („UNDUGU“ / Eine-Welt-Laden).
(Undugu ist ein Wort aus dem Kisuaheli und heißt nicht nur Partnerschaft, sondern erweitert diesen Begriff hin zu geschwisterlicher Verantwortung füreinander.)
Dort erhielten wir eine ausführliche Vorstellung des Weltladens Undugu. Auch dieser Besuch war informativ und herzlich – mit Kaffee, Tee und selbstgebackenem Kuchen wurde der Nachmittag wunderbar abgerundet.
Beide Weltläden werden wie unserer vollständig von Ehrenamtlichen getragen – wir waren beeindruckt von der Professionalität, dem Engagement und den kreativen Ideen, die uns neue Impulse für unsere eigene Arbeit geben.
Zum Abschluss luden wir beide Gruppen zu einem Gegenbesuch nach Wardenburg ein.
Gegen 18:30 Uhr erreichten wir wieder unseren Ausgangspunkt – voller Eindrücke und neuer Motivation. Besonders gut gefiel uns ein Slogan, den uns UNDUGU mit gab:
Eine schöne Idee – und bei uns fiel sie auf fruchtbaren Boden!